Montag, 4. Februar 2013

Weltwärtsbericht Nr.2

Hallo meine lieben Leser, ich poste euch einmal meinen zweiten Weltwärtsbericht, den ich nach 6 Monaten meines Aufenthalts, hier in Dar es Salaam, schreiben muss. Viel Spaß beim Lesen. Eure Paula

Weltwärtsbericht Nr. 2 
06.11.2012 – 06.02.2013

Ich schreibe meinen zweiten Weltwärtsbericht. Was bedeutet das? Ich lebe nun schon ein halbes Jahr in Tansania, Dar es Salaam. Eine Erkenntnis, die mir erst wieder ins Gedächtnis gerufen wird, als ich anfange, diesen Bericht zu schreiben. Was schließe ich daraus? Die Zeit rennt nur so dahin und das vorerst so unendlich lang erscheinende Freiwilligenjahr geht schneller vorbei als man es für möglich hält.
Wenn ich mir nun meinen ersten Weltwärtsbericht durchlese, merke ich erst, wie viel sich in den letzten drei Monaten hier, bezüglich meiner Arbeit aber auch meiner Freizeit, verändert hat.

In meiner Arbeitsstelle dem „Talent Search and Empowerment“ gibt es viel zu tun. Wir planen im Moment mit dem Hamburger Theaterregisseur Michael Leye ein gemeinsames Austausch- und Theaterprogramm. Michael Leye wird im März für drei Wochen Dar es Salaam besuchen um sein Theaterkonzept „Zu Hause“ im TSE, sowie in der Kunst- und Kulturszene Dar es Salaams, vorzustellen. In dem Konzept soll es hauptsächlich um die Frage gehen wo,wann und warum sich Jugendliche zu Hause fühlen. Nachdem die Theaterlehrerin Aisha und ich das Thema den Kindern des TSE vorgestellt haben, sollen wir nun bis März anfangen, diese Fragen mit den Jugendlichen zusammen zu beantworten. Nachdem Michael Leye im März für drei Wochen hier war und erste Ideen gesammelt wurden, wird er im August wiederkommen und das Projekt hier vor Ort fertig stellen, sodass die Kinder dieses dann in ansässigen Institutionen wie zum Beispiel dem „Goethe Institut“ in Dar es Salaam vorführen können. Im Oktober hätten dann fünf bis sieben Kinder des TSE die Chance nach Hamburg zu reisen, um das Theaterstück zusammen mit Hamburger Jugendlichen, die sich mit dem gleichen Thema beschäftigt haben,nochmals aufzuführen. Die Finanzierung des Projektes ist größtenteils schon bewerkstelligt und ich hoffe nun wirklich,dass alles wie nach Plan verläuft.Somit könnte ich meinen Wunsch, die Theaterarbeit des TSE weiter voran zu treiben mit dieser Idee verbinden.
Außerdem besteht ein weiterer Kontakt mit dem Hamburger „Jugendclub Burgwedel“. Ich kümmere mich seit mehreren Monaten um den Briefkontakt zwischen den Jugendlichen hier in Dar es Salaam und den Mitgliedern des Jugendclubs in Hamburg. Um Weihnachten herum haben wir Post aus Hamburg bekommen, die ich dann für die Kinder des TSE übersetzt habe. Bald werden wir antworten. Das geplante Theaterprojekt mit dem „Jugendclub Burgwedel“ ist jedoch, auch in Erwartung auf das Projekt Michael Leyes, erst einmal in weitere Ferne gerückt und der Kontakt besteht alleine aus einer losen Brieffreundschaft zwischen den Kindern und Jugendlichen.

Außerdem bin ich mit der Entwicklung meine Englischunterrichts sehr zufrieden. Ich unterrichte nun auch in Einzelstunden und habe eine Schülerin, die fünf Vormittage die Woche, eine Stunde mit mir zusammen Englisch lernt. Außerdem unterrichte ich weiterhin die Schüler des TSE nachmittags in größeren Gruppen. Wir haben nun das „simple present“ abgeschlossen und es sind einige Erfolge zu verzeichnen. Viele Schüler haben wirklich etwas aus meinem Unterricht mitgenommen, was mich motiviert, weiter zu machen, auch wenn es immer mal wieder Nachmittage gibt an denen nur sehr wenige Schüler da sind. Ich möchte jedoch nicht nur Grammatik und Satzbau beibringen, was natürlich trotzdem ein wichtiger Bestandteil ist um eine Sprache zu lernen, sondern habe mir vorgenommen meinen Unterricht noch mehr aufzulockern. So habe ich angefangen mit den Schülern Kurzgeschichten zu lesen und plane nun ein kleines Theaterstück auf Englisch.

Ein weiterer Teil meiner Arbeit im TSE besteht immer noch aus organisatorischen Aufgaben. Ich erledige Büroarbeiten, übersetze die monatlichen Berichte der Lehrer von Kiswahili auf Englisch und schicke sie nach Deutschland weiter. Ich führe Buch über Einnahmen und Ausgaben des TSE, halte das Office sauber und kümmere mich um die Verwaltung der Spendengelder des „Dogo Dogo Centers“. Das Center hat dem TSE Ende Oktober 800.000 Tsh zur Verfügung gestellt. Ich bin dafür zuständig das Geld aufzuteilen, die Belege für ausgegebenes Geld einzusammeln und diese schließlich zum Büro des „Dogo Dogo Centers“ zurückzubringen. Außerdem kümmere ich mich seit Kurzem um das Fundraising im TSE. Im Moment ist ein Spendenschreiben an die deutsche Botschaft in Dar es Salaam geplant. Die Botschaft bietet schon seit mehreren Jahren die Förderung von Kleinstprojekten an. Auf diese Förderung werde ich mich nun im Namen des TSE bewerben. Außerdem sind einige Spenderbriefe, bezüglich kleiner Geldspenden, nach Deutschland geplant und teilweise auch schon fertiggestellt und verschickt.
An jedem Monatsende hat das TSE eine „TSE Community Show“ aufgeführt. Eine Show bei der alle Kinder und Jugendlichen ihr Können, von Theater, über Musik bis hin zu Tanz, auf die Bühne gebracht haben. Die anfallenden Kosten, vor allem Essen und Getränke für Kinder und Zuschauer, wurden von den Spendengeldern des „Dogo Dogo Office“ gestützt. Da diese Gelder nun langsam zur Neige gehen, kann auch die „Community Show“ auf unbegrenzte Zeit nicht mehr stattfinden. Um die diese Show weiterhin finanzieren zu können, habe ich angefangen erste Spendenbriefe zu schreiben.

Das TSE hat wie eh und je Geldprobleme. Mein Sicht auf diese, anfänglich so aussichtslos erscheinende, Lage hat sich mit der Zeit jedoch geändert. Es gibt immer wieder Zeiten, in denen das TSE kein Geld hat, um kleinere oder größere Projekte selber zu finanzieren. Es gibt, wie ich in den letzten drei Monaten jedoch festgestellt habe, aber auch immer wieder Zeiten, in denen es anders ist und dem TSE Geld zur Verfügung steht. Nur die regelmäßige Sicherheit,dass immer und überall Geld vorhanden ist, ist nicht gegeben. Man plant, wie so vieles hier in Tansania, eher von einem Tag zum nächsten als lange in die Zukunft. An diese Situation, die für mich am Anfang große Unsicherheit bedeutete, habe ich mich inzwischen gewöhnt und ich bin gelassener geworden. Wenn man ein Projekt heute nicht umsetzen kann, dann macht man es eben morgen, wenn wieder Geld da ist. So haben die Kinder des TSE zum Beispiel vor Kurzem, mit Hilfe von gespendetem Geld des TSE Vorstands Erick, fünf Lieder in einem Studio aufnehmen können, die sie selbst geschrieben und komponiert haben. Es liegt nun ein fertiges Album vor, auf das alle Schüler sehr stolz sind.

Ein weiterer Punkt, den alle Mitglieder des TSE im Moment beschäftigt, ist der geplante Umzug, der jedoch nicht ohne Komplikationen verbunden ist. Das TSE war bis vor Kurzem gezwungen bis Ende Februar das jetzige Gelände zu verlassen und sich einen neuen Stellplatz zu suchen. Da das TSE diesen Umzug aus eigenen Mittel nicht stemmen kann, hat meine Entsendeorganisation „Kawaida e.V.“ einen Antrag auf Spendengelder geschrieben. Ob wir eine Zusage für diese Spendengelder bekommen erfahren wir jedoch erst Mitte bis Ende Februar. Die Zeitspanne für einen möglichen Umzug ist somit sehr knapp bemessen. Würden dem TSE die Spendengelder nicht bewilligt werden, stände meine Empfängerorganisation praktisch vor dem Aus. Nachdem diese eigentlich sehr kritische Situation erkannt wurde, haben wir nun mit den Vermietern nach langem Hin und Her eine Mietvertragsverlängerung von weiteren sechs Monaten vereinbaren können. Dies ist zwar nur eine Notlösung, da der jetzige Stellplatz des TSE schon seit Jahren zu klein ist, aber gewährt dem TSE wenigstens noch einen kleinen Aufschub. Wenn wir die Spendengelder nicht bewilligt bekommen, haben wir somit noch sechs Monate Zeit um uns um Alternativen zu bemühen. Ich habe mir vor einigen Tagen mit meinen Vorgesetzten neue alternative Plätze für das TSE angeschaut, die sich im selben Viertel wie das jetzige TSE-Haus befinden und von denen einer auch sehr geeignet scheint. Somit heißt es wieder einmal abwarten, hoffen dass Spendengelder bewilligt werden und der Umzug sogar noch in meine Zeit des Freiwilligenjahres fällt. Die Angst meine Arbeitsstelle während meines Jahres hier zu verlieren, hat sich nun natürlich nicht bestätigt, ist jedoch nur ein kleiner Trost.

Einer der wenigen Punkte, die mich bezüglich meiner Arbeit belastet, ist die Zusammenarbeit mit meinem Chef, die anfangs eigentlich recht gut verlief, sich jedoch aus meiner Sicht in eine negative Richtung entwickelt. Ich bekomme immer wieder mit, dass er mit meiner Arbeit eigentlich nicht zufrieden ist, wobei ich dies nie von ihm persönlich, sondern nur über andere Personen erfahre. Dieses Tatsache stört mich und ich hoffe,dass ich sie durch ein klärendes Gespräch beheben kann.

Insgesamt kann ich jedoch sagen,dass ich wirklich gerne zur Arbeit gehe. Es freut mich jeden Morgen ins TSE zu kommen und viele nun schon bekannte Gesichter wiederzusehen. Ich verstehe mich mit all meinen Kollegen gut und die anfangs vielen, mit großer Verantwortung beladenen Aufgaben, gehen mir leichter von der Hand. Ich bin an diesen Aufgaben gewachsen,habe aber auch gelernt,meine Fähigkeiten und Möglichkeiten bezüglich der Arbeit besser einzuschätzen. Wenn mir Aufgaben zugeteilt werden, die ich alleine nicht bewerkstelligen kann oder denen ich mich nicht verantwortlich oder gewachsen fühle, habe ich bemerkt,dass das Abgeben oder Weiterreichen von Aufgaben durchaus zu einem akzeptablen Arbeitsstil gehört. Ich fühle mich im TSE und dessen Umgebung wirklich wohl und es vermittelt mir eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Das TSE ist für mich aber seit geraumer Zeit auch ein Ort geworden, an dem ich mich mit Menschen treffen kann, mit denen ich gerne Zeit verbringe und die ich lieb gewonnen habe. So sehe ich nicht nur meine Kollegen und die Kinder dort, sondern es kommen mich auch häufiger andere Leute besuchen, nur um ein bisschen zu erzählen oder um mich zu sehen. Diese Verbindung zwischen Arbeit und Freizeit begegnet mir hier in Tansania viel häufiger als in Deutschland, worum ich jedoch sehr froh bin. Denn auch wenn mein Arbeitstag offiziell um 18 Uhr abends endet, bin ich häufig erst zwischen 19 oder 20 Uhr zu Hause und habe dann einfach keine Zeit oder Kraft mehr mich mit Bekannten oder Freunden zu treffen.

Ich bin nun ein halbes Jahr hier, die zweite Hälfte meines Freiwilligenjahres beginnt. Somit kommt natürlich, so sehr ich mich gedanklich im Moment auch in Tansania befinde, immer wieder die Frage nach der Zukunft auf. Wie wird es sein wenn ich wieder nach Deutschland komme? Möchte ich studieren oder noch ein Jahr lang etwas anderes machen? Die Frage, wie es wird, wenn ich wieder in Deutschland bin, taucht häufiger auf, als in den ersten drei Monaten.Im Moment spiele ich mit dem Gedanken mich schon für dieses Jahr für ein Studienplatz im Fach Psychologie zu bewerben, um ein Ziel und eine Aufgabe zu haben, wenn ich wieder in Deutschland ankomme.





Freitag, 11. Januar 2013

Das neue Jahr beginnt.

Und schon wieder gibt es so viel Neues zu berichten. Ich bin über Silvester mit den anderen Freiwilligen nach Sansibar gefahren, habe dort Silvester gefeiert und bin schließlich mit allen anderen zusammen zum Zwischenseminar der "Weltwärtsfreiwilligen" gefahren. Die Tage um Silvester herum haben wir hauptsächlich mit baden, entspannen, essen und Sonnenauf- und Untergänge genießen verbracht. Wir waren alle auf der "größten Silvesterparty Sansibars" deren Besucher 90 % Weiße waren und ich bemerkt habe, wie sehr ich mich doch erstmal wieder an einen solchen Anblick gewöhnen musste.

Das Zwischenseminar war größtenteils sehr interessant. Es wurden viele Erfahrungen ausgetauscht, viele interessante Diskussionen geführt und abends gab es ein reichhaltiges Programm an verschiedenen Dokumentationen, die man sich anschauen konnte. Leider sind wir im Laufe des Seminars alle einmal krank geworden, was wahrscheinlich am Essen vor Ort lag. Nach Nächten mit Margenkrämpfen und zeitweiligem 40 Grad Fieber sind wir aber dann doch alle gesund wieder nach Hause gefahren.

Nun bin ich wieder in Dar es Salaam und es beginnt für uns alle eine spannende Zeit. Ich werde die nächsten 5 Monate arbeiten und mich wahrscheinlich noch mal ganz intensiv in das Leben hier vor Ort stürzen, worauf ich die letzte Zeit immer mehr Lust bekommen habe. Die ersten fünf Monate die ich hier verbracht habe, waren eben doch sehr geprägt durch das Ankommen, Urlaub machen und Sprache lernen. Nun habe ich jedoch das Gefühl, ich bin über die Anfangszeit hinweg und kann anfangen Ideen umzusetzen, worauf ich mich sehr freue. In der nächsten Zeit stehen im TSE viele wichtige Fragen an und ich bin gespannt wie sich alles entwickeln wird. Alles in Allem freue ich mich wirklich auf die Zeit die nun kommt und ich gehe motiviert ans Werk.

Freitag, 28. Dezember 2012

Weihnachtsgrüße

Ich hoffe, ihr hattet alle schöne und besinnliche Weihnachten und werdet alle gute in das neue Jahr 2013 rutschen. Ich hatte ein doch sehr "unweihnachtliches" Weihnachten. Da konnte auch der schöne Plastikweihnachtsbaum unserer Nachbarin nichts gegen tun. Lotta und ich haben den Tag am Strand verbracht und haben abends zusammen mit einigen Leuten ein großes Weihnachtsessen veranstaltet. Nun werden wir am Sonntag mit den anderen Volunteers nach Sansibar fahren, dort Silvester feiern und dann unserer Zwischenseminar abhalten.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Viele Grüße von weit weit weg. Eure Paula

Samstag, 22. Dezember 2012

Mein zweiter Urlaub








Wie ich euch schon erzählt habe, muss ich diesen Monat nicht arbeiten und habe die letzten zwei Wochen dazu genutzt den Westen von Tansania mit zwei meiner Mitfreiwilligen zu bereisen. Es war eine sehr schöne Reise, wobei ich am Ende wirklich sehr müde und schlapp war, da wir mehrere tausend Kilometer zurückgelegt haben. Unsere Reise begann in Dar es Salaam am Bahnhof. Ich bin mit meinen Mitfreiwilligen Simon und Friedrich in den Zug gestiegen und wir sind bis nach Kigoma gefahren, eine Stadt die im Westen Tansanias liegt und die einzige Stadt ist, die direkt am Tanganika See liegt. Die Zugfahrt war ein tolles Erlebnis, da sie über zwei Tage ging und man sehr viel von der Landschaft und kleinen abgelegenen Dörfern sehen konnte. Häufig wurden kleine Stopps eingelegt und die Dorfbewohner haben an den Bahngleisen Essen, Getränke und Früchte verkauft. Nach insgesamt 52 Stunden Zugfahrt sind wir dann schließlich in Kigoma angekommen und haben uns zwei Tage lang die Stadt und den kleinen Ort Ujiji angeguckt, in dem wir noch ein Museum besichtigt haben. Kigoma ist eine wirklich schöne Stadt. Sie liegt direkt am See, hat einen großen Hafen und ist von Bergen umringt. Nach zwei Tagen haben wir uns dann zum Hafen aufgemacht um mit dem berühmten Passagierschiff „M.V. Liemba“ über den Tanganika See nach Mpulungu zu fahren. Eine Stadt die in Sambia, dem Nachbarland von Tansania liegt. Wir sind zwei Tage mit dem Schiff gefahren und haben mal wieder eine wunderschöne Landschaft beobachten können. Eine besondere Attraktion war jedoch der Handel der von Schiff aus mit den kleinen Küstenorten betrieben wurde. Das Schiff hat mehrere Meter vom Ufer entfernt gehalten und die Händler sind vom Festland mit kleinen Ruderbooten auf den See hinausgefahren um dann mitten auf dem Wasser die Waren von einem Schiff auf das andere zu transportieren. Meistens ging alles sehr hektisch zu und auf den ersten Blick war es immer ein einziges Chaos. Am Ende wurden jedoch immer alle Waren verladen und die Schifferboote sind wieder zum Festland gefahren. Nachdem wir in Sambia angekommen sind, mussten wir zuerst die Grenze passieren und haben uns dann in Mpulungu eine Schlafmöglichkeit gesucht. Man hat sogleich bemerkt,dass man sich in einem anderen Land befindet. Es gab eine andere Währung, eine andere Sprache wurde gesprochen und auch sonst habe ich mich auf einmal wieder viel mehr als Touristin gefühlt als in Tansania. Es hat mir jedoch auch gezeigt, wie selbstverständlich ich mich teilweise schon in Dar es Salaam bewege. Ich kenne mich aus, kann mich verständigen und habe hier schon viel gelernt. Die Sicherheit viel in Sambia dann erst einmal wieder weg. Von Mpulungu aus haben wir dann zusammen die „Kalombo Falls“ besichtigt. Wirklich wunderschöne Wasserfälle, die die Grenze zwischen Tansania und Sambia bilden. Nachdem wir einige Tage in Sambia waren, wollten wir uns schließlich wieder in Richtung Tansania aufmachen um dort dann in die Stadt Mbeya zu fahren, um uns dann schließlich auf den Rückweg nach Dar es Salaam zu machen. Das war jedoch ein gar nicht so leichtes Unterfangen. Wir waren in einem wirklich kleinen Örtchen in dem einfach keine Busse fuhren. Wir standen Irgendwo im Nirgendwo. Schließlich hat uns dann ein freundlicher Trukkerfahrer an einen der Grenzort gefahren von dem wir dann weiter Richtung Tansania getrampt sind und nach einigen Tagen endlich an unser Ziel Mbeya gelangt sind. Dort habe ich dann mit Simon und Friedrich noch einen letzten Tag verbracht und bin am nächsten Tag alleine in den Zug nach Dar es Salaam gestiegen. Die anderen beiden werden sich noch einige Tage die Stadt angucken, in der ich im Oktober schon war. Ich bin nun seit gestern wieder in Dar es Salaam. Als ich in unsere Wohnung kam war es für mich wirklich wie ein „nach Hause kommen“. Ein wirklich schönes Gefühl. Die nächsten Tage werde ich nun mit Lotta in Dar es Salaam verbringen und Weihnachten mit meinen Mitfreiwilligen feiern. Über Silvester werde ich dann nach Sansibar fahren, wo wir schließlich noch unser Zwischenseminar haben, was für alle Freiwilligen organisiert wird, die ihre Arbeit hier über „Weltwärts“ abhalten. Auf das Seminar bin ich wirklich gespannt und werde euch in meiner nächsten Mail davon berichten.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachten, viel Schnee und gemütliche Abende vor dem Kamin und unter dem Tannenbaum. Außerdem natürlich einen guten Rutsch ins neue Jahr 2013. Lasst es euch allen gut gehen.

Montag, 3. Dezember 2012

TSE Community Show

 
Jedes Monatsende veranstaltet das TSE eine „Community Show“. Es wird als eine Art Streetbash organisiert, bei dem nichts angekündigt oder organisiert wird, sondern die Leute im Augenblick in dem die Show beginnt erst davon erfahren. Es wird auf der Straße vor dem TSE eine große Bühne aufgebaut, auf der die Kinder dann eine ungefähr dreistündige Show vorführen. Dazu gehört, das Vorführen von Theaterstücken, eigener Musik, Tanz- und Trommeleinlagen sowie Hip Hop. Dazu gab es zumindest das letzte Mal dann Reis, Bohnen und Spinat für alle Gäste, Kinder und Lehrer zu essen. Für die Kinder ist es immer eine tolle Sache. Den ganzen Monat über haben sie etwas, auf das sie hinarbeiten können und am Ende jeden Monats können sie ihre neuen Idee und Fähigkeiten präsentieren. Seitdem sind viele Kinder viel motivierter beim Training dabei und je näher der Termin der Show rückt, desto mehr wird geprobt und es werden unzählige Kikaos (Besprechungen) abgehalten, in denen dann jedes noch so kleine Detail der Show besprochen wird. Meistens entsteht dann doch vieles eher nach dem Zufallsprinzip. Bei der letzten Show habe ich mich im TSE wirklich sehr wohl gefühlt. Es sind viele Zuschauer gekommen und ich habe mich gewundert wie viele Leute ich hier eigentlich, auch wenn nur vom Sehen, schon kenne. Ich habe mir die Show angeguckt, habe mich mit vielen Leuten unterhalten und habe mitgeholfen zu organisieren. Zum Schluss saßen wir mit allen Lehrern und Schülern des TSE auf dem Hof und haben zusammen gegessen.

Außerdem habe ich am Wochenende einer der schönsten Tage hier in Tansania verbracht. Wir waren abends bei einem Konzert von meinem Kollegen Oliver. Er hat mit ein paar Freunden eine eigene Band, singt, tanzt, spielt Gitarre und Trommel. Am Sonntagabend sind sie dann zusammen mit drei anderen Bands und einer Tanzgruppe im „Nafasi Art Center“ aufgetreten, was hier eine Art Kulturzentrum ist. Es wurden überall Kissen, Sofas und Decken ausgelegt und man konnte sich die Musik anhören. Außerdem gab es eine Ausstellungshalle, in der Bilder von tansanischen Künstlern ausgestellt wurden. Ich war mit ein paar Mitfreiwilligen und meiner Arbeitskollegin Aisha dort. Zuerst haben alle Leute nur zugehört, aber zum Schluss haben alle Zuschauer zu der Musik getanzt. Es waren wieder viele Leute da, die ich kannte und es war ein unglaublich tolles Erlebnis mit allen zu Tanzen und einfach einmal alle Fragen zu vergessen, die man sich hier häufig stellt. Ist mein Kiswahili gut genug? Wie sehr bin ich eigentlich schon integriert? Entspreche ich den Erwartungen meiner Arbeitgeber? In diesem Moment habe ich einfach nur mit vielen Menschen zu toller Musik getanzt. Ein wirklich toller Abend!

Montag, 19. November 2012

Und weil ich gerade so viel Zeit habe und das Internet so schnell ist, kommt hier nun noch ein Foto. Ihr seht links meine Mitbewohnerin Lotta und in der Mitte unsere neue Mitbewohnerin Insa. Sie hat eigentlich als Freiwillige in Burundi gearbeitet,hat sich nun aber doch nochmal umentschieden und lebt nun bald bei meinen Mitfreiwilligen Neele und Sebastian und wird hier in einer Primary School unterrichten. Wir waren am Wochenende alle zusammen in Bunju bei unseren Mitfreiwilligen und haben in deren neuen Hängematte das schöne Wetter genossen.

Weltwärtsbericht Nr. 1

Da ich meinen Aufenthalt hier über "Weltwärts" organisiere, muss ich alle drei Monate einen Bericht über die Entwicklung meiner Arbeit, meines Lebens und meinen Erfahrungen hier vor Ort schreiben. Den Bericht zu schreiben, halte ich für sehr sinnvoll, da es mir selber geholfen hat, meine Erfahrungen und Erlebnisse der ersten drei Monate hier zu reflektieren und mir meine eigene Entwicklung vor Augen zu führen. Ich habe beschlossen, den Bericht auch für euch, meine lieben Blogleser, online zu stellen. Viel Spaß beim Lesen! Über Feedback, per Email oder Facebook, würde ich mich sehr freuen.


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Weltwärtsbericht von Paula Högermeyer
06.08.2012 bis zum 06.11.2012

Ich wohne nun seit drei Monaten in Dar es Salaam und arbeite in dem Jugendzentrum „Talent Search and Empowerment“. Innerhalb dieser drei Monate hat sich viel getan, verändert und entwickelt. Nachdem ich mit meinen Mitfreiwilligen Carlotta, Neele und Philipp am Flughafen von Dar es Salaam ankam, war die anfängliche Unsicherheit die zu Hause noch oft präsent war, erst einmal wie weggeblasen und die Fahrt vom Flughafen zu unserer neuen Wohnung hat mich sehr fasziniert. Mir erschloss sich eine komplett neue Welt und in den ersten Tagen war ich begeistert davon.

In den nächsten Wochen wurde mir jedoch die Tragweite meiner Entscheidung bewusst. Ich würde ein Jahr lang nicht in meinem gewohnten Umfeld leben und muss von der Sprache bis zu den Umgangsformen alles neu lernen. Diese Gedanken und die Unsicherheit, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, führte dazu, dass eine Phase anbrach, in der ich mir meiner Entscheidung ein Jahr in Tansania zu leben sehr unsicher wurde.

Auch mit meiner Arbeit ging es erstmal schleppend voran. Das „Talent Search and Empowerment“ hat massive Geldprobleme und ist trotzdem gezwungen nächstes Jahr umzuziehen, da der Mietvertrag ausläuft. Wie der Umzug bewältigt werden soll steht bis heute nicht fest. Mir stellte sich die Frage, ob es überhaupt möglich sein würde, unter solchen Umständen zu arbeiten.Trotzdem wurde ich von allen Schülern sowie Mitarbeitern des TSE herzlich empfangen und aufgenommen. Ich stellte jedoch schnell fest, dass das TSE nicht nur Arbeitsplatz ist, sondern auch ein Platz, an dem sich ein Freundeskreis trifft, der sich schon seit vielen Jahren kennt. Natürlich braucht es Zeit, seinen Platz in diesem Freundeskreis zu finden.

In kurzer Zeit wurde mir sehr viel Verantwortung zugesprochen, die mich zwar nicht überforderte, ich mir aber die Frage stellte, warum gerade ich, als die neue Praktikantin, Aufgaben solcher Tragweite übernehmen muss. Somit wurde ich gerade mit der Arbeit im Office schnell vertraut. Ich hatte das Gefühl, Probleme des TSE zu erkennen, aber nicht in der Position zu sein, sie alleine lösen zu können. Als der deutsche Mitbegründer des TSE und Mitglied von meiner Endsendeorganisation,Paul, nach Tansania kam, hat sich die Situation für mich positiv verändert und wir haben versucht gemeinsam Lösungsansätze zu finden.Nach einer weiteren Besprechung mit den Gründern des TSE stellt sich jedoch heraus, dass sie von mir erwarteten, meine teils passive Beobachterrolle im TSE vollends aufzugeben, um voll in die Arbeit einzusteigen. In diesem Moment fühlte ich mich doch etwas überfordert.

Als meine Vorgängerin Franziska noch hier war und ich drei Wochen mit ihr zusammen verbracht habe, habe ich mitbekommen, dass sie gerade am Anfang große Probleme mit unserem Chef Alfred hatte.Von daher bin ich vorbelastet mit ihm in die Arbeit gegangen. Bis jetzt komme ich jedoch gut mit ihm zurecht, worüber ich sehr froh bin, da es mir die Arbeit im TSE erleichtert. Auch mit den anderen Mitbegründern Paul und Erik komme ich gut aus. Mit den Lehrern des TSE ist es ein eher freundschaftliches Verhältnis, da sie nur wenige Jahre älter sind als ich. Alle sind sehr bemüht mir die Sprache beizubringen und haben mich herzlich aufgenommen.

Die Sprache zu verstehen und zu sprechen, ist mir am Anfang natürlich sehr schwer gefallen. Meine Mitbewohnerin Carlotta konnte von Anfang an mehr Kiswahili als ich und somit habe ich das Sprechen häufig ihr überlassen. Langsam habe ich mich dann an die Sprache herangetastet, verstand aber immer noch nicht viel, was gerade meine Arbeit im TSE extrem erschwert hat. Als ich im Oktober jedoch zwei Wochen im Urlaub war, habe ich sehr viel gelernt. Carlotta, Neele und ich haben uns gegenseitig geholfen und das hat sich sehr positiv auf mein Kiswahili ausgewirkt. Seitdem verstehe ich viel mehr und ich lerne jeden Tag viele neue Wörter und Grammatik dazu. Vorher hatte ich das Gefühl, mit meiner Sprachentwicklung auf der Stelle zu stehen. Was sich außerdem verändert hat, ist die Tatsache, dass ich Gespräche nicht mehr vermeide, sondern sie aufsuche um noch mehr zu lernen. Zwar lerne ich langsam,aber die Tatsache, dass ich mich jeden Tag in kleinen Schritten verbessere, gibt mir ein positives Gefühl. Ich bin nun an dem Punkt angelangt,an dem ich mich mit allen Leuten um mich herum gut verständigen kann und nur noch einzelne Wörter nachfragen muss. Der Kontext der Gespräche ist mir jedoch immer klar.

Zum Schluss möchte ich von meiner jetzigen Situation berichten, die sich sehr von der der ersten zwei Monate unterscheidet. Es geht mir gut hier. Ich habe das Gefühl, nach den anfänglichen Schwierigkeiten, nach drei Monaten nun endlich angekommen zu sein. Ich unterhalte mich viel auf Kiswahili, bin am Wochenende viel unterwegs, kenne mich in der Stadt besser aus und verstehe mich mit all meinen Mitfreiwilligen gut. Nachdem ich aus meinem Urlaub zurückgekommen bin, läuft es mit dem Kiswahili besser, was sich auch positiv auf meine Arbeit auswirkt. Ich fühle mich in einer Welt wohl, die mir vor drei Monaten noch völlig fremd war. Der Gedanke nun wieder nach Deutschland zurückfliegen zu müssen, fühlt sich falsch an und ich bin froh, hier noch viel Zeit verbringen zu können. Im Moment stellt sich hier für mich so etwas wie ein Alltag ein. Das lässt sich wohl auch am anderen Ende der Welt nicht vermeiden. Trotzdem ist es auch nochmal eine Bestätigung für mich angekommen zu sein.

Außerdem bin ich mit der Entwicklung meines Sprachunterrichts im TSE sehr zufrieden. Ich unterrichte zweimal die Woche Englisch und einmal die Woche Deutsch. Ich habe meinen Unterricht nun besser strukturiert, führe ein Klassenbuch in dem ich eintrage wer zum Unterricht erscheint und was wir an dem Tag geschafft haben. Mein bis jetzt größter Erfolg war es, den Kindern Hefte zu kaufen in die sie schreiben können und die ich am Ende des Unterrichts wieder einsammle. Da vorher alle nur auf lose Zettel geschrieben haben, war mein Unterricht nicht sehr nachhaltig und es sind häufig nur wenige Schüler gekommen. Seit es die Hefte gibt, wissen alle was sie geschafft haben und es kommen viel mehr Schüler zum Unterricht. Außerdem habe ich beschlossen eine Art Belohnungssystem einzuführen, sodass der Schüler, der am Ende des Monats den Unterricht am häufigsten besucht hat, eine kleine Überraschung bekommt. Neben dem Sprachunterricht, bin ich im Moment mit vielen Aufgaben im Office des TSE beschäftigt. Ich bin dafür zuständig, dass ich am Ende des Monats die Berichte der Lehrer des TSE vom Kiswahili ins Englische übersetze. Außerdem setze ich mich mit den Sponsoren des TSE auseinander. Da das TSE im Moment große Geldprobleme hat, sind wir mehr denn je auf diese Spendengelder angewiesen. Das „Dogo Dogo Center“ ist einer dieser Sponsoren. Es ist ein Internat für ehemalige Straßenkinder. Dort haben die Jugendlichen die Möglichkeit eine Ausbildung zu absolvieren um spätere bessere Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten. Das „Dogo Dogo Center“ ist jedoch selbst auf Spenden angewiesen, von denen es aber immer einen Teil an das TSE abgeben hat. Da nun der Sponsoren des „Dogo Dogo Centers“ weggefallen ist, bekommt auch das TSE keine Spenden mehr. Wir haben nun noch einen Restbetrag von 800.000 Ths bekommen, was umgerechnet etwa 400 Euro sind. Somit kann das TSE zwar akute Probleme beheben, aber die grundsätzliche finanzielle Problemlage ist nicht gelöst. Die Leiter des TSE haben sich hier vor Ort um ansässige Spender bemüht. Wir haben jedoch keine Zusagen bekommen. Meine Endsendeorganisation bemüht sich nun um Spendengelder aus Deutschland, damit die Unkosten und vor allem der Umzug des TSE nächstes Jahr bewerkstelligt werden kann. Auf die Zusage der Spendengelder müssen wir jedoch noch bis Februar 2013 warten.

Seit Neustem steht das TSE in einem gegenseitigen Kontakt mit dem „Jugendclub Burgwedel“ in Hamburg. Ich bin dafür zuständig, dass der Briefkontakt zwischen den Kindern der Jugendzentren aufrecht erhalten bleibt. Somit habe ich mich vor Kurzem mit den Kindern des TSE zusammen gesetzt, wir haben Briefe an die Kinder nach Hamburg geschrieben und Fotos gemacht. Im Moment warten wir auf eine Antwort. Außerdem plant das TSE einen Austausch mit dem Jugendclub Hamburg. Diese Idee steht im Moment jedoch noch in den Kinderschuhen und man muss abwarten, wie sich das TSE in den nächsten Monaten finanziell entwickelt.

Wenn ich meinen Blick in die Zukunft wende, möchte ich auf jeden Fall den Theaterunterricht im TSE weiter vorantreiben. Es gibt Kinder die ein großes Potential haben und allen macht der Unterricht Spaß. Für mich ist es momentan noch relativ schwierig am Unterricht aktiv teilzunehmen, da es schon eine Theaterlehrerin im TSE gibt und ich außerdem das Gefühl habe, dass meine Sprachkenntnisse für den Unterricht noch nicht ausreichen sind. Mir ist bewusst geworden, wie sehr man bei der Theaterarbeit auf die Sprache und deren Ausdrucksmöglichkeiten angewiesen ist. Das Ziel eigenen Theaterunterricht auf die Beine zu stellen, war sehr hoch gesetzt, was mir erst jetzt wirklich bewusst wird. Trotz dessen ist es mein langfristiges Ziel ist es ein eigenes Theaterstück mit den Kindern zu erarbeiten indem von der Idee bis zur Requisite alles selber gemacht wird. Für die Zukunft des TSE ist es natürlich existenziell wichtig, dass wir im März die Möglichkeit bekommen umzuziehen, da es sonst schlecht um die Zukunft meiner Arbeitsstelle steht. Am Anfang hat es mich sehr gestört, dass ich eine Arbeitsstelle habe, deren Zukunft so ungewiss ist. Ich bin jedoch an dem Punkt angelangt, wo ich für den Moment versuche, die Möglichkeiten auszuschöpfen, die mir gegeben sind,um den Kindern eine gute Lern- und Spielatmosphäre bieten zu können.