Donnerstag, 4. Juli 2013

Likizo, Ferien

Ein Monat Urlaub ist herumgegangen und das Arbeitsleben beginnt wieder. Jedoch nur noch einen Monat und dann werden meine Mitbewohnerin Lotta und ich unsere Nachfolger in Empfang nehmen und sie einen Monat lang in Dar es Salaam und in ihrem Arbeitsalltag begleiten und ihnen in der Anfangszeit zur Seite stehen.

Meinen Urlaub habe ich sehr genossen und habe nach einiger Zeit mal wieder etwas Abstand zu dem doch sehr einnehmenden Arbeitsalltag im TSE bekommen. Meine Eltern haben mich für drei Wochen besucht und es war sehr schön, ihnen mein „tansanisches Leben“ zu zeigen und sie ein Stück an meinem Leben hier teilhaben zu lassen. Wir haben eine Woche zusammen in Dar es Salaam verbracht und sind dann zusammen in den Urlaub gefahren. Wir haben einige schöne Tage in Lushoto und Tanga verbracht, Städte, die im Nord-Westen von Tansania liegen. Schließlich haben wir noch eine Woche auf Sansibar verbracht. Schließlich sind Mama und Papa wieder nach Deutschland geflogen und ich bin mit einem Freund weiter nach Pemba gereist. Die Insel ist weitaus unbekannter als Sansibar, ist aber mindestens genauso schön. Mit dem Schiff fährt man von Sansibar aus nochmal 3 Stunden auf die kleine verwunschene Insel und kommt dann an einem kleinen Steg an, der den Haupthafen der Insel darstellen soll. Ich und mein Mitreisender Sebastian haben uns dann erstmal ein schönes Guesthouse mit Blick auf das Meer und dem größten Teil der Stadt gesucht. Wie sich herausstellt,auch das einzige Guesthouse in dieser Umgebung. Nach einem Tag, in dem wir die Gegend ein bisschen erkundet haben, wollten wir uns eine Vesper leihen, mit der wir dann einmal um die Insel fahren wollten. Der Besitzer unseres Guesthouses hat uns seine Vesper großzügig für einen Tag, gegen eine kleine Bezahlung ausgeliehen, und wir haben uns wie die Schneekönige gefreut und haben uns gleich am nächsten Tag auf den Weg gemacht. Nach ungefähr 5 km wurde unser Weg dann jäh unterbrochen. Das Benzin war alle. Im Eifer des Gefechts haben wir ganz vergessen,dass man auch in Tansania tanken muss. Also wurde die Vesper zur nächsten Tankstelle geschoben, aufgetankt und weiter ging die wilde Fahrt. Wir haben einen wunderschönen Tag verbracht, haben viel von der Insel gesehen und die wunderschöne und unberührte Landschaft genossen. Am Nachmittag sind wir schließlich an der Nordspitze der Insel angekommen und haben uns am Strand entspannt. Leider sind wir dabei eingeschlafen und als wir aufgewacht sind war es schon 17 Uhr und es langen noch 40 km vor uns. Anders als in Deutschland wird es in Tansania immer um 18 Uhr dunkel. Also haben wir unsere sieben Sachen zusammengepackt und haben uns auf dem Weg gemacht. Nach ungefähr 5 km wurde unsere Fahrt mal wieder unterbrochen. Diagnose : der Auspuff ist abgefallen. Mist, wir standen Irgendwo im Nirgendwo. Aber wie sollte es in Tansania anders sein. Es hielten sofort zwei Männer an, die mit dem Fahrrad an uns vorbeifuhren. Im Handumdrehen wurde Werkzeug besorgt und nach einer halben Stunde konnten wir unsere Fahrt, wenn auch mit etwas knatterndem Auspuff, fortsetzen. Wie der Tansanier sagen würde: Bahati mbaya. Wir hatten „schlechtes Glück“. Nach einer halben Stunde fiel der Auspuff wieder ab. Langsam wurde es dunkel und wir waren uns nicht mehr sicher, ob wir es überhaupt bis nach Hause schaffen würden. Was sich nämlich ebenfalls herausstellte: sämtliche Lichter der Vesper waren kaputt. Wir fuhren also geradewegs in die Dunkelheit herein. Nach dem der Auspuff ein zweites Mal repariert wurde, setzen wir unsere Fahrt fort. Leider wurde es so stockdunkel, das wir die eigene Hand vor Augen nicht mehr sehen konnten. Es gab lange Strecken, in denen wir einfach nur durch den Wald gefahren sind und die Straße aus mehr Schlaglöchern als Weg gestand. Nachdem wir ein bis zwei Meter tiefe Schlaglöcher mitgenommen haben, der Auspuff wieder abgefallen und der Motor bedenkliche Geräusche von sich gab, beschlossen wir aufzugeben. Der Zufall kam uns mal wieder zur Hilfe. Wir haben uns zum nächsten Haus aufgemacht und haben unsere Lage erklärt. Mal wieder wurde uns sofort geholfen und innerhalb von einer Stunde wurde ein Pick-up mit Fahrer organisiert, der uns zusammen mit der Vesper zum anderen Ende der Insel gebracht hat. Nach ca. 12 Stunden Abenteuerfahrt kamen wir dann ziemlich müde wieder zu unserem Guesthouse. Dem Besitzer der Vesper die Lage zu erklären, war dann eine andere Geschichte.
Auf jeden Fall haben wir an diesem Tag ein paar Abenteuer Pluspunkte gesammelt. Außerdem wurde mir nochmal die extreme Gastfreundschaft der Tansanier bewusst. Es gab keine Situation, in der uns nicht sofort geholfen wurde und in der man uns nicht herzlich aufgenommen hat. Eine Sache, die ich an Tansania wirklich schätze ist die Tatsache, dass es kein Problem gibt, zum dem es nicht irgendeine Lösung gibt. Das liegt zum größten Teil wahrscheinlich an der Lebenseinstellung vieler Menschen hier. „ Haina shida“ ( keine Probleme), „Hamna wasi wasi“ (kein Stress) oder „Tulia kwanza“ (Beruhige dich erstmal) sind Sätze, die man hier häufig zu hören bekommt. Wenn man mit einer solchen Einstellung an scheinbar unlösbare Probleme herangeht, ist es häufig leichter eine Lösung zu finden als mit der häufig doch sehr krampfhaften deutschen Einstellung.

Seit zwei Tagen bin ich nun wieder in Dar es Salaam und genieße meine restliche Zeit hier. Als ich nach meinem Urlaub wieder in der Stadt angekommen bin, wurde mir bewusst, wie sehr sie mir zu einem zu Hause geworden ist, wie sehr mir hier einige Leute ans Herz gewachsen sind und wie sehr ich nun noch die letzten drei Monate hier genießen möchte.
So das waren einige Erlebnisse aus dem Monat Juni. Der Juli bricht an und es gibt noch einige Dinge, die ich mir, gerade in Bezug auf meine Arbeit im TSE, für die letzte Zeit noch vorgenommen habe. Aber dazu mehr in der nächstenBlogeintrag.

Dienstag, 4. Juni 2013

Der Monat Mai...

Der normale TSE Alltag

Im Grünen, irgendwo bei Arusha

Bei traditionellen Kaffeeherstellen

Moshi mit Blick auf den Kilimanjaro

Motorradfahren mit Moritz

Wunderschönes Sansibar

Die Kunst des Wartens....


„ Muda unaenda“ auf deutsch „die Zeit geht“

diesem etwas pessimistischem Ausblick sollte man vielleicht einfach „Nipo kwanza“ entgegensetzen „Ich bin erstmal“. Ich versuche der schwindenden Zeit nicht mit Panik, sondern mit meditativer Ruhe zu begegnen. „Ich bin erstmal“. Was ist bei diesem „Sein“ alles passiert? Im Mai habe ich das erste Mal Besuch aus Deutschland bekommen. Diese Zeit war in vielerlei Hinsicht sehr spannend und mir wurde gerade durch den Blick eines Deutschen auf mein jetziges Leben hier in Tansania bewusst, wie viele Dinge sich verändert haben. Mir sind auf einmal selber ganz viele Dinge aufgefallen, die ich hier mit der Zeit ganz selbstverständlich übernommen habe. Nehmen wir beispielsweise den wichtigen Aspekt des Wartens hier in Tansania. Warten ist ein großer Lebensbestandteil der Bevölkerung. Man wartet auf alles, man lässt jedoch auch auf sich selber warten. Denn Zeit haben hier alle. Man steht drei Stunden im Stau, wartet eine Stunde beim verabredeten Treffpunkt auf seine Freunde, der Lehrer fängt eine halbe Stunde später mit dem Unterricht an und der Handwerker wird statt nach 3 Tagen erst nach 3 Wochen mit seiner Arbeit fertig. Warten ist außerdem die erste Strategie zur Problemlösung. Gibt es Schwierigkeiten oder Stress, hilft es meist erstmal ein bisschen abzuwarten. Häufig lösen sich viele Probleme dann von alleine. Der Händler,der dir seine Ware für 10.000 Shl verkaufen wollte, senkt den Preis nach einiger Zeit doch noch. Nach einiger Zeit des Wartens löst sich auch der größte Stau Dar es Salaams irgendwann auf und wenn man etwas Geduld zeigt, kommen die Freunde doch irgendwann beim Treffpunkt an. Diese Mentalität übernimmt man hier ganz automatisch und mir ist es erst durch meinen deutschen Besuch wieder richtig bewusst geworden.
Ansonsten war der Monat auf der einen Seite geprägt durch schöne freie Zeit, die ich wieder einmal zum Reisen genutzt habe. Andererseits war es aber auch eine sehr arbeitsintensive Zeit. Meine freie Zeit habe ich mich in die Touristenhochburg Arusha gewagt, eine Stadt, die im Norden Tansanias liegt. Der angekündigte Trubel blieb jedoch aus, da wir nicht während der Hauptferienzeiten dort waren. Die Stadt war schön und wir haben die Zeit für eine Wanderung durch die anliegenden Dörfer Arushas genutzt. Nach einigen Zeiten ging es dann weiter nach Moshi einer schönen kleinen Stadt nicht weit von Arusha entfernt. Wieder ging es auf Wanderschaft, wobei wir viel über die Kultur der anliegenden Dörfer gelernt haben. Nebenbei haben wir die traumhaft schöne Natur um uns herum genossen. Zum Abschluss ging es nach Tanga. Eine Stadt an der Ostküste von Tansania. Die Stadt habe ich sofort ins Herz geschlossen. Das Stadtbild ist sehr durch seinen muslimischen Einfluss geprägt, sodass wir jeden Abend mit den Gesängen des Muezzin aufgewacht und abends wieder eingeschlafen sind.
Die andere Hälfte des Monats war durch Arbeiten geprägt. Ich hatte Ende des Monats eine siebentägige Arbeitswoche, die morgens um 9 Uhr begann und abends um 19 Uhr aufhörte. Die Arbeit macht mir trotz dessen sehr viel Spaß. Mein Englischunterricht geht voran. Außerdem wurde nun mit den Theaterproben von einem selbstgeschriebenem Skript von mir begonnen. Es soll im August zur Aufführung kommen.
Nun beginnt ein neuer Monat. Der nächste Besuch ist schon angekommen: meine Eltern werden mich hier in Tansania einen Monat begleiten. Zu diesem neuen Abenteuer dann Neuigkeiten im Monat Juni.

Viele liebe Grüße aus Dar es Salaam, Tansania.
Eure Paula

Montag, 27. Mai 2013

Weltwärtsbericht Nr.3

Weltwärtsbericht Nr. 3 Paula Högermeyer
06.02.2013 – 06.05.2013

Ich lebe nun seit fast 10 Monaten in Dar es Salaam, Tansania. Und auch in den letzten drei Monaten hat sich wieder viel verändert und getan.
Meine Arbeitsstelle, das „Talent Search and Empowerment“, hat Besuch von einem Theaterregisseur aus Hamburg bekommen. Es soll ein Projekt auf die Beine gestellt werden, was Aufführungen in Tansania und Deutschland zum Ziel hat. Es fand ein dreiwöchiges Training statt und es wurde entschieden, dass drei Lehrer sowie vier Schüler des TSE die Chance erhalten im Oktober diesen Jahres für drei Wochen nach Deutschland zu reisen und das Ergebnis des Theaterprojekts mit Jugendlichen aus Hamburg gemeinsam zu präsentieren. Während des Trainings hier vor Ort wurde als erstes über das Thema des Projektes, wo, wann und warum fühlt man sich zu Hause, diskutiert. Anschließend wurden auf Grundlage eines Theaterstückes, was ich im voraus zusammen mit der Theaterlehrerin Aisha zusammen erstellt habe, erste Szenen erprobt und gefilmt. Im September wird der Theaterregisseur ein weiteres Mal nach Dar es Salaam kommen, um die Szenen zu einer Theatercollage zusammenzustellen. Im Oktober werden die Schüler und Lehrer des TSE dann nach Deutschland reisen. Bis September sollen wir hier in Dar es Salaam ein selbstständiges Training etablieren, was zwei Mal die Woche stattfinden wird. Für die Mitglieder des TSE ist es eine unglaublich tolle Chance nach Deutschland reisen zu können und ich habe mich wirklich sehr für alle gefreut. Auch meine Situation hat sich im Zuge des Projektes nochmals verändert. Ich habe während der Proben als Übersetzerin fungiert, was mir wirklich Spaß gemacht hat. Ich habe viel Kiswahili dazugelernt, habe aber auch bemerkt, was ich in den letzten 10 Monaten schon alles gelernt habe. Auch in Deutschland werde ich in Hamburg Teil des Projektes sein und weiter übersetzen. In diesem Zuge habe ich die Chance bekommen meine Zeit hier in Tansania um einen Monat zu verlängern.
Ich werde nun nicht wie geplant Ende August sondern erst Anfang Oktober mit allen Tansaniern zusammen nach Deutschland reisen. Somit erlebe ich die gesamte Zeit des Projektes mit und kann außerdem die Tansanier beim Fliegen begleiten. Bis Oktober werden wir nun weiterhin proben und außerdem noch separate Aufführungen abhalten, in der wir das ursprüngliche Theaterstück „Nyumbani ni wapi“, erstellt von Aisha und mir, aufführen werden. Bei den jeweiligen Aufführungen werde ich dann Fotos machen und Interviews mit den Leuten aus dem Publikum führen, um anschließend Evaluationen über die Aufführungen zu schreiben. Im Moment sind bis Oktober noch 6 Aufführungen geplant. Die nächsten zwei werden in einem befreundeten Jugendzentrum sowie in dem Kunst- und Kulturzentrum „Nafasi Art Space“ stattfinden.

Auch mit meiner sonstigen Arbeit im TSE bin ich sehr zufrieden. Ich unterrichte weiterhin Englisch, habe morgens zwei Einzelschülerinnen und unterrichte nachmittags eine größere Gruppe. Die Fortschritte der Einzelschülerinnen sind jedoch um einiges größer als die der Gruppenschüler. Bei den Mädchen, die ich morgens unterrichte habe ich wirklich das Gefühl, ihnen etwas beizubringen und eine Entwicklung zu beobachten. Der Nachmittagsunterricht fällt doch häufiger aus, es kommen nicht alle Schüler, man muss immer wieder von Neuem beginnen oder tritt auf der Stelle. Trotzdem möchte ich nicht aufgeben und werde versuchen den Unterricht weiterzuführen.

Auch mit der Entwicklung des Theaterunterricht bin ich sehr zufrieden und im Zuge des Theaterprojekts konnte ich genau das machen, was ich mir hier für meine Zeit in Tansania erwünscht habe. Aisha und ich haben uns im Vorhinein zusammengesetzt und haben zum Thema „Wo ist zu Hause“ ein eigenes Theaterstück auf die Beine gestellt, wobei wir mit dem Musiklehrer Oliver kooperiert haben und schließlich eine tolles Theaterstück mit einigen Liedern und Trommeleinlagen entstanden ist. Die Erstellung des Stücks und die anschließende Arbeit mit den Jugendlichen hat mir wirklich sehr viel Spaß gemacht. Im Moment plane ich ein weiteres Theaterstück, was auf der Grundlage des Romans „ Der Chronist der Winde“ von Henning Mankell entstehen soll. Das Skript habe ich schon fertig geschrieben nur mit den Proben konnte noch nicht begonnen werden. Im Moment befinden wir uns mitten in der Regenzeit und das Training im TSE wird immer wieder durch Regen, Matsch und riesige Wasserpfützen auf dem Hof unterbrochen. Nächste Woche werde ich dann in den Urlaub fahren und darum werden die Proben wohl erst Mitte Mai beginnen. Obwohl ich meine Zeit hier gerade erst verlängert habe, wird mir immer mehr bewusst, dass mir nicht mehr unbegrenzt Zeit bleibt um Projektideen umzusetzen. Die Zeit in der ich wirklich noch im TSE arbeiten werde, schwindet schneller als gedacht.

Den Monat April habe ich außerdem alleine im Office des TSE gearbeitet, da die Sekretärin Haika für einen Monat Ferien hatte. Ich habe morgens das Office aufgeschlossen, habe mich um Büroangelegenheiten gekümmert, habe Einnahmen und Ausgaben koordiniert und war für die Kinder zuständig, die morgens ins TSE gekommen sind. Da meine Kollegin, mit der ich in dieser Zeit zusammen arbeiten sollte, krank war, habe ich wirklich über mehrere Wochen ganz alleine gearbeitet. Letztendlich bin ich aus dieser Zeit wirklich gestärkt heraus gegangen und es hat mich nochmal mehr mit meiner Arbeitsstelle verbunden. Ich fühle mich nun wirklich als vollwertige Arbeitskraft und trage sehr viel Verantwortung. Genau dieser Punkt ist einerseits sehr schön und ich merke, dass ich nun mit Situationen gut umgehen kann, die mich vor 10 Monaten noch überfordert haben. Ich bin als sprichwörtlich an meinen „Aufgaben gewachsen“. Andererseits zweifel ich auch noch manchmal an meiner Rolle im TSE. Das Ziel des Freiwilligendienstes sollte es eigentlich sein, den Freiwilligen an einem selbstständigen Projekt als eine Art Praktikant mitarbeiten zu lassen. Meine Rolle als Praktikantin hat sich jedoch mit der Zeit immer mehr verschoben. Mir wird sehr viel Verantwortung zugesprochen und die Frage, ob das TSE selbstständig und ohne Freiwilligen weiterarbeiten könnte, kann ich nicht mit einem Sicherem „ja“ beantworten. Genau diese Abhängigkeit von einer Person, die für ein Jahr aus dem Ausland kommt, im Projekt arbeitet und danach aber auch wieder abreist, soll nicht entstehen. Dies ist jedoch schwerer gesagt als getan. Das TSE hat seit seiner Gründung jedes Jahr einen Freiwilligen gehabt und wahrscheinlich haben sich schon alle an diese Situation gewöhnt.
Auch außerhalb meiner Arbeit geht es mir sehr gut in Tansania. Ich fühle mich in der einst so fremden Kultur sehr wohl und integriert. Vieles ist für mich selbstverständlich geworden. Ich bin zu allen Gästen höflich und zuvorkommend und bete sie sofort herein, ich esse eigentlich nie alleine, teile das was ich habe, habe Respekt vor Älteren und behandle sie dementsprechend höflich. Außerdem habe keine Bedenken mehr auch mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen und mich lange mit ihnen zu unterhalten. Andererseits gibt es auch immer wieder Sachen, die mir auch noch nach 10 Monaten fremd sind. Ob sich das irgendwann ändern wird, weiß ich nicht genau. Ich freue mich auf die knapp 5 Monate die mir hier in Tansania noch bleiben und hoffe auf weitere schöne Momente bei der Arbeit und mit den vielen netten Leuten, die ich hier in den letzten 10 Monaten kennengelernt habe.


Neuigkeiten aus dem April

Die Abstände zwischen den Blogeinträgen werden immer größer.Trotzdem habe ich euch noch nicht vergessen. Da nun schon ein Monat ohne Meldung vergangen ist, bringe ich euch erstmal auf den neusten Stand. Hier ein paar Neuigkeiten aus dem Monat April:

Bei euch kehrt hoffentlich nach dem langen Winter langsam der Frühling ein. Bei mir hier in Tansania ist es genau anders herum. Der Herbst kommt. Den kann man natürlich nicht mit dem Herbst in Deutschland vergleichen,da es weiterhin warm ist. Trotzdem gibt es viele verregnete Tage, die Sonne scheint nicht mehr nur noch vom blauen Himmel und auch hier merkt man,dass es etwas kühler wird. Statt wie im Dezember dem heißesten Monat, ist es tagsüber nicht mehr um die 40 Grad, sondern um die 30 Grad und nachts sogar nur um die 20 Grad, sodass ich anfange mir einen Pulli anzuziehen und wieder mit einer Decke schlafe. Ja, erstaunlich aber wahr. Bei 20 Grad fange ich an bitterlich zu frieren. Für Deutschland muss ich mir also nochmal einen Überlebensstrategie ausdenken.

Zu einer anderen Frage: Was ist im Monat April alles in Tansania passiert? Der Theaterregisseur mit dem das TSE drei Wochen lang zusammen gearbeitet hat, ist wieder nach Deutschland abgereist und hat große Aufgaben für mich, die anderen Lehrer und die Kinder hinterlassen. Der Regisseur will im September kommen und das Projekt dann hier in Tansania fertigstellen. Bis dahin sollen wir uns einen eigenen Probenraum mieten, zwei Mal die Wochen mit den Kindern Theaterproben veranstalten, die im Oktober nach Deutschland fliegen, sollen Pässe und Visa für alle organisieren, sollen noch 6 seperate Shows veranstalten und ich soll darüber Evaluationen und Interviews abhalten. Es gibt also neben dem normalen TSE- Alltag eine Menge zu tun. Im Monat April sollten wir in diese Pläne schon voll einsteigen, wir hatten aber einige Schwierigkeiten und es gab doch noch viele ungeklärte Fragen, sodass wir in diesem Monat nicht wirklich viel geschafft haben. Nun geht es aber langsam vorran. Die erste Probe hat stattgefunden, ein Probenraum soll noch diese Woche gemietet werden. Außerdem haben wir diese Woche noch drei Shows, bei denen die Kinder des TSE unter anderem im "Nafasi Art Space", einem Kultur- und Kunstzentrum, bei uns in der Nähe auftreten. Über dieses Angebot haben sich alle sehr gefreut.

Ansonsten geht der normale wuselige Alltag im TSE weiter, obwohl sich diesen Monat meine Arbeitsbedingungen ein bisschen verändert haben. Die Sekretärin des TSE macht einen Monat Ferien und somit bin ich zusätzlich dafür zuständig das TSE morgens aufzuschließen, das Office aufzuräumen, auf das Equipment aufzupassen und die ganzen anderen Büroarbeiten zu erledigen. Anfang des Monats hatte ich ein bisschen Bedenken, ob ich das wirklich alles alleine schaffe, aber nun hat sich alles gut eingespielt und die Arbeit macht mir Spaß. So sehr mir die Arbeit Spaß macht, bekomme ich trozdem manchmal noch Zweifel über meine Rolle im TSE. Als Freiwillige habe ich eigentlich die Position einer Praktikantin, kann mich mit in die Arbeit einbringen, sollte aber eben nur soviel Verantwortung übernehmen, dass das Projekt auch jederzeit ohne mich weiterbestehen kann. Diese Rolle hat sich mit der Zeit sehr verschoben. Im Moment schließe ich das Office morgens auf und abends wieder zu, kümmere mich um die Einnahmen und Ausgaben des TSE und trage selber Entscheidung darüber ob etwas für das TSE gekauft werden soll oder nicht. All diese Aufgaben sollten mir eigentlich gar nicht zugesprochen werden. Dies bedeutet nicht, dass mir meine Rolle im TSE nicht gefällt oder das ich mich mit diesen Aufgaben überfordert fühle. Das Ziel eines Freiwilligendienstes verfolge ich damit aber trotzdem nicht. Das Projekt sollte eben nicht abhängig von seinen Freiwilligen sein und jeder Zeit auch auf eigenen Beinen stehen können. Manchmal habe ich im TSE das Gefühl, dass dies nicht mehr der Fall ist. Seit seiner Gründung waren jedes Jahr neue Freiwillige da und irgendwie haben sich schon alle zu sehr an diese Situtation gewöhnt.

Ansonsten bin ich letztes Wochenende mit meiner Mitbewohnerin Lotta nach Iringa gefahren, eine Stadt im Süden Tansanias. Dort haben wir uns ein Kinderdorf angeschaut, in dem eine deutsche Freiwillige arbeitet. Es war wirklich interessant zu erfahren, wie der Alltag in so einem Dorf aussieht. Vieles hat sehr an ein deutsches Kinderheim erinnert. Die Kinder wohnen nach Geschlecht und Alter geteilt in verschiedenen Wohngruppen zusammen und haben zugesprochene Betreuer, mit denen sie zusammen in einem Haus leben. Den Kindern wird die Möglichkeit geboten zur Schule zu gehen, nachmittags bekommen sie Nachhilfe und es werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Am Sonntag geht es für alle in die Kirche. Außerdem hat das Kinderdorf einen eigenen kleinen Bauernhof mit Tieren und einen großen Gemüsegarten, ist also selbstversorgend. Lotta und ich haben nach der Großstadtatmosphäre in Dar es Salaam vorallem mal wieder die schöne Natur um uns herum genossen.

Das waren also mal wieder ein paar Neuigkeiten aus dem Monat April. Ich hoffe ihr lasst es euch allen gut gehen und müsst nicht mehr allzu lange auf die ersten richtigen Sommertage warten.

Samstag, 13. April 2013

Liebe Leute,

Etwas verspätet, Neuigkeiten aus dem Monat März:

Ersteinmal habe ich den ersten Geburtstag meines Lebens nicht zu Hause zusammen mit meiner Familie, sondern am Strand verbracht. Es war natürlich schade,dass ich meine Lieben von zu Hause nicht bei mir hatte, aber gegen einen schönen Tag am Strand hatte ich auch nichts einzuwenden. Abends habe ich dann zusammen mit Freunden gekocht und schließlich sind wir noch alle zusammen in einen Club tanzen gegangen. Alles in allem ein wirklich schöner Tag. Die restliche Zeit des Monats März habe ich sonst ausschließlich mit arbeiten verbracht. Das hört sich zwar sehr anstrengen an, war aber eine wirklich schöne und spannende Zeit. Mitte des Monats habe ich mit den Kindern und den anderen Lehrern einen Strandausflug mit dem TSE organisiert. Ich bin morgens um 5 Uhr aufgestanden und habe zusammen mit meiner Arbeitskollegin Aisha für insgesamt 40 Leute Reis, Bohnen und Spinat gekocht. Nachdem wir fertig waren, sind wir dann mit dem ganzen Essen ins TSE gegangen, haben dort Essen,Getränke und Kinder in einen gemieteten Bus verfrachtet und haben uns Richtung Strand aufgemacht. Dort haben wir dann mit dem Theatertraining begonnen.Nach zwei Stunden gab es eine Mittagspause, in der alle Kinder gegessen und sich ein bisschen ausgeruht haben. Schließlich ging es dann mit dem Training weiter und zum Schluss durften alle nochmal zur Belohnung ins Meer springen. Trotz dessen,dass viele Kinder auch nicht schwimmen können, sind alle ins Wasser gegangen. Wir, die Lehrer, haben entspannt daneben gesessen und haben uns das Spektakel angeschaut. Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen,dass so eine Situation in Deutschland nie möglich gewesen wäre, da manche Kinder ja gar nicht schwimmen konnten. Trotzdem hatten alle ihren Spaß und es ist auch keiner ertrunken.
Außerdem ist der Theaterregisseurs aus Hamburg hier in Dar es Salaam angekommen. Er wird hier drei Wochen im TSE Theater unterrichten, alle Leute kennenlernen und erste Ideen sammeln. Danach kommt er dann im August wieder, das Theaterstück zum Thema „zu Hause“ wird fertig gestellt und hier in Dar es Salaam aufgeführt. Es ist nun sicher,dass drei Lehrer und vier Schüler aus dem TSE im Oktober nach Deutschland reisen können. Dort wird das Theaterstück dann zusammen mit Hamburger Jugendlichen, die zu dem gleichen Thema gearbeitet haben, aufgeführt. Ich bin nun als Übersetzerin und Projektassistentin angestellt, was mich natürlich sehr gefreut hat. So kann ich das TSE sowohl in Tansania und Deutschland begleiten und bin Teil der Theaterproduktion. Durch das Projekt, verbringe ich im Moment die meiste Zeit auf der Arbeit, helfe beim Übersetzen und beim Theaterspielen, was genau das ist,was ich hier in Tansania immer machen wollte.
Außerdem verbringe ich im Moment viel Zeit in dem Musikstudio eines Freundes, was sich gleich hier in meiner Nachbarschaft befindet. Dort haben wir nun schon ein Lied gemeinsam aufgenommen und wollen weiterhin zusammen singen und weitere Sachen aufnehmen, worauf ich wirklich sehr Lust habe.
Ende des Monats hatte ich dann ein verlängertes Osterwochenende und bin mit meiner Mitbewohnerin und zwei weiteren Bekannten nach Lushoto gefahren, eine Stadt die am Rande der Usambara Berge, nördlich von Dar es Salaam liegt. Von Lushoto aus haben wir dann eine 2 1/2 tägige Wanderung durch die Berge unternommen, was ein wunderschönes Erlebnis war. Endlich konnten Lotta und ich mal wieder ein bisschen Bergluft schnuppern, was eine schöne Abwechslung zum täglichen Smog von Dar es Salaam war. Wir sind durch viele verschiedenen Vegetationen gewandert, u.A. Regenwald, Pinien- und Fichtenwälder, durch grüne Berglandschaften und weite Ebenen. Der erste Tag war mit drei Aufstiegen, wobei wir uns am Ende dann auf 2.000. Meter Höhe befanden, doch etwas anstrengend, aber wir haben es alle geschafft. Die Wanderung am zweiten Tag hat uns dann durch flachere Gegenden geführt und wir sind teilsweise durch winzige Bergdörfchen gewandert. Am Montagmorgen bin ich dann wieder alleine nach Dar es Salaam gefahren und Lotta, die nicht nur ein verlängertes Wochenende sondern Urlaub hatte, ist noch weitergezogen. Die Rückfahrt war dann doch etwas anstrengend. 8 Stunden Busfahrt, ohne Sitzplatz. Irgendwann hatte man Erbarmen mit mir und ich durfte mich auf einen Reissack in den Gang setzen. Schließlich nach 9 Stunden, glückliches und müdes Ankommen in Dar es Salaam.